Zartbitter Köln e.V Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen

Zartbitter Fachinfo


Hier können Sie sich zu unserem Newsletter anmelden.

Sichere Orte schaffen

SOS Logo
Sichere Orte schaffen Logo

Zartbitter Projekte von und für Jugendliche mehr »»

Zartbitter Twitter

Zartbitter Facebook Link

Zartbitter Fortbildung
  Zartbitter Fortbildung 2012/2013

Fachtagungen & Präsentationen
weiter »»

Grenzen achten

   Grenzen achten

Zartbitter-Handbuch gegen Missbrauch in Institutionen mehr »»

Seiten-Abo

Papst Benedikt ist vielen um Meilen voraus…

Zum Umgang der katholischen Kirche mit sexueller Ausbeutung von Mädchen und Jungen

Nach der Aufdeckung zahlreicher Fälle sexueller Ausbeutung von Priestern in Österreich, Irland, USA und vielen anderen Staaten bemühte sich der Vatikan Ende der 90er Jahre um Schadensbegrenzung und forderte eindeutige Restriktionen gegenüber übergriffigen Priestern. Vor allem als Antwort auf die zahlreichen Schadensersatzforderungen der Opfer in den USA, die mehrere Bistümer an den Rand der Insolvenz brachten, gab Papst Johannes Paul II klare Anweisungen zur Entfernung von Tätern aus dem Seelsorgedienst und deren Bestrafung durch die Kirchengerichtsbarkeit. Bei diesen Maßnahmen ging es vor allem um den Schutz der Institution Kirche vor Tätern in den eigenen Reihen. Die Hilfen für die Opfer schienen bei kritischer Betrachtung mehr oder weniger sekundär zu sein.

Mit seiner parteilichen Stellungnahme für die Opfer sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche setzt Papst Benedikt XVI im Rahmen seines USA-Besuchs Mitte April 2008 neue Zeichen: Er reduziert sein Engagement nicht nur auf Schadensbegrenzung für die Institution Kirche, sondern erkennt die Schwere des Leids der Opfer an und übernimmt als Oberhaupt der Kirche die Verantwortung für die sexuellen Gewalttaten und das oftmals miserable Krisenmanagement der Kirche. Die empathische Vorgehensweise des Papstes im Kontakt mit den Opfern und die Wortwahl seiner öffentlichen Erklärungen überzeugen: Benedikt XVI ist es ein menschliches Anliegen, den Opfern gerecht zu werden.

Die Gespräche mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester führte der Papst am ersten Tag seiner USA-Reise. Sie waren ganz offensichtlich keine PR-Maßnahme, denn sie wurden nicht über die Presse angekündigt. Papst Benedikt begegnete den Opfern als Mensch und als oberster Vertreter seiner Institution, ohne dies von sich aus der Öffentlichkeit preis zu geben. So wahrte er deren Würde und gab ihnen ein Stück Kontrolle zurück. Benedikt überließ den Betroffenen die Entscheidung darüber, ob und was die Medien über diese Gespräche erfuhren.

Folgt man ihren Berichten, so begegnete er ihnen als ein Mensch, der seine Ohren vor den Schilderungen der Gewalttaten nicht verschloss, den Betroffenen glaubte und in ihrer Wahrnehmung bestätigte, ihre „unglaublichen Schmerzen“ anerkannte und an ihrem Leid wirklich Anteil nahm.
Nicht nur für die Gesprächspartner des Papstes, sondern für viele Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, die in den USA und in anderen Ländern innerhalb der Kirche missbraucht wurden, waren die Berichte über die Gespräche des Papstes und seine anschließenden deutlichen Worte, erlösende Worte:

  • Papst Benedikt sprach von seiner tiefen Scham über die Skandale der letzten Jahre und das Versagen der Kirche im Krisenmanagement.

  • Er bestätigte die Wahrnehmung der Opfer, indem er die Gewalt als Realität anerkannte, die zuvor von großen Teilen der Kirche angezweifelt, geleugnet oder bagatellisiert worden war.

  • Er übernahm als Oberhaupt der Katholiken die volle Verantwortung für diesen Skandal und entschuldigte sich bei den Opfern.

  • Damit korrigierte der Papst die verwirrte Norm der Kirche, die in der Vergangenheit die Täter geschützt und den Opfern Schuld zugewiesen und des Verrats beschuldigt hatte.

Bei Zartbitter meldeten sich nach der USA-Reise des Papstes mehrere Betroffene, die darüber sprachen, wie heilsam für sie die Worte des Papstes waren. Sie hatten sich niemals vorstellen können, dass ein Papst so klar für sie Partei ergreifen könne.
Mit seinem Statement ist der Papst vielen Geistlichen und Laien der katholischen Kirche um Meilen voraus. In Deutschland würde im Jahre 2008 sich sicherlich kein Bischof mehr zu der Bemerkung hinreißen lassen, dass Missbrauchsopfer „die gute Stimmung des Weltjugendtages stören“ – wie der bischöfliche Koordinator des Weltjugendtages von Sydney diese Woche behauptete. Doch auch in Deutschland hat die Kirche noch einen weiten Weg vor sich, denn noch immer werden sexuell grenzverletzende Geistliche in andere Gemeinden versetzt und weiterhin mit Aufgaben im Jugendbereich betraut. Noch immer werden Opfer gemobbt, die über ihre Gewalterfahrungen sprechen. In Fällen sexueller Grenzüberschreitungen durch Geistliche ist die Kirche inzwischen – nicht zuletzt aus Angst vor Skandalen – wesentlich aufmerksamer geworden, doch auch heute noch wird das große Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Mädchen und Jungen durch Laienhelfer/innen und gleichaltrige Jugendliche innerhalb der Kirche bagatellisiert und geleugnet. Ebenso wie Sportverbände, Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Jugendverbände… wird die Kirche sich dieser Problematik stellen müssen.

Ursula Enders 2009
Spenden und helfen!

    herzanimation
Unterstützen Sie Zartbitter e.V. mit einer Spende »»

Hier finden Sie Hilfe:


Hilfeportal
Hilfeportal Sexueller Missbrauch »»